Stimmen im Kopf

Etwa sechs bis fünfzehn Prozent aller Menschen hören irgendwann einmal im Leben Stimmen. Viele Stimmenhörer leben mit ihren unsichtbaren Begleitern sogar ein ganzes Leben lang. Weit über die Hälfte der Stimmenhörer sind psychisch gesund und führen ein völlig unauffälliges Leben. Trotzdem werden Stimmenhörer weiterhin stigmatisiert. Nur wenige sprechen daher offen über ihre Erfahrungen. Dabei ist die historische Epoche, in der das Stimmenhören kulturell nicht anerkannt war, relativ kurz: Hildegard von Bingen gab an, ihr gesamtes Heilwissen visionären Stimmen zu verdanken; Jeanne d’Arc, Giordano Bruno, Rainer Maria Rilke, Winston Churchill, Virginia Woolf und Andy Warhol zählen zu den Stimmenhörern. Welche Erklärung hat die Wissenschaft für das Phänomen Stimmenhören? Woher kommen die Stimmen? Galt das Stimmenhören besonders in den letzten Jahrzehnten als Symptom einer gestörten Hirnfunktion, werfen Forscher heute einen neuen Blick auf dieses alte Phänomen – und fördern Erstaunliches zutage: Gehirnscanner zeigen, dass das Stimmenhören keine „Einbildung“ ist; Stimmenhörer „hören“ tatsächlich etwas. Auch scheinen in vielen Fällen die Inhalte des Gehörten weit mehr Bedeutung zu haben, als bisher angenommen.

Drei Stimmenhörer, die ihr Schweigen gebrochen haben, beweisen, dass die Erfahrungen sehr vielfältig sind: Innere Stimmen können als Höllenqual oder auch als Gabe, Inspiration und Glück empfunden werden. Der Tontechnikerin Jennifer Siedler wiesen die Stimmen den Weg aus einer Krise; den Schauspieler Rolf Fahrenkrog-Petersen brachten sie dazu, seine traumatisierte Kindheit aufzuarbeiten; Dr. Eleanor Longden erforscht mittlerweile sogar selbst das Stimmenhören an der Universität Liverpool. Seit 10 Jahren Stimmenhörerin, engagiert sie sich bei „Intervoice“, einem weltweiten Netzwerk aus Stimmenhörern, Therapeuten und Forschern aus 26 Ländern auf fünf Kontinenten.

Mit besonderem Dank an
Dr. Eleanore Longden, Jennifer Siedler, Rolf Fahrenkrog-Petersen, Dr. Charles Heriot- Maitland, Laura Vogt, das Netzwerk Stimmenhören e.V.; Prof. Dr. phil. Peter Brugger, Dr. Marco Piccirelli, das UniveritätsSpital Zürich; Susanne Schmid-Grether, das Schoresch - Kompetenzzentrum für Neurofeedback, Zürich und an alle anderen Mitwirkenden.

Ausschnitte aus
“Compassion for Voices: a tale of courage and hope” von Dr. Charles Heriot-Maitland, in Zusammenarbeit mit Kate Anderson, King’s College London

“Eleanor Longden, TED2013” mit freundlicher Genehmigung von TED „dann & dort“ von Julia Gloor

Eine Produktion der Anja Krug-Metzinger Filmproduktion GmbH im Auftrag von Radio Bremen in Zusammenarbeit mit ARTE

Weltvertrieb: Global Screen


Dr. Eleanor Longen, Stimmenhörerin und Wissenschaftlerin, engagiert sich weltweit für die
Entstigmatisierung von Stimmenhörern



Tontechnikerin Jennifer Siedler beim Neurofeedback-Verfahren.



Scanneraufnahmen zeigen, dass Stimmenhörer tatsächlich etwas „hören“.



Mit den Experten Prof. Dr. phil. Peter Brugger, Neuropsychologe und Dr. Marco Piccirelli, Physiker,
UniversitätsSpital Zürich …



… und Prof. Dr. Dorothea von Haebler, Psychiaterin; IPU und Charité Berlin.


Den Schauspieler Rolf Fahrenkrog-Petersen brachten die Stimmen dazu,
seine traumatisierte Kindheit aufzuarbeiten – hier bei der Inszenierung seiner Stimmen:




weitere Experten:

Prof. Dr. Peter Kinderman, Psychologe, University of Liverpool.



Prof. Dr. Richard Bentall, Psychologe, University of Liverpool



Dr. Dr. Walter von der Lucadou, Physiker und Psychologe, Parapsychologische Beratungsstelle Freiburg



Dr. Charles Heriot-Maitland, Psychologe, King’s College London



Susanne Schmid-Grether, dipl. Neurofeedbacktherapeutin, Zürich


Stimmen im Kopf

Produktion, Buch und Regie: A. Krug-Metzinger, Dok.-Film, 52 min., Radio Bremen / ARTE 2016

Buch, Regie: A. Krug-Metzinger
Kamera: Benno Soukup, Bernd Meiners
Ton: Ruth Reeh-Georgi, Janine Jembere
Schnitt: Birgit Hemmerling
Musik: André Feldhaus
Redaktion: Mechtild Lehning

Eine Produktion der Anja Krug-Metzinger Filmproduktion GmbH im Auftrag von Radio Bremen in Zusammenarbeit mit ARTE